Der Sommerurlaub ist ja gerade vorbei, aber nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub, oder nicht? Wie wär’s also mal mit einer Fernreise mit Hund?

Natürlich haben wir uns bei der Planung unseres letzten Sommerurlaubs mit Hund fast keine der schlauen Fragen gestellt, die ich im letzten Artikel aufgelistet habe.

Trotzdem waren einige Eckpunkte für uns ziemlich klar:

  • Ferienhaus statt Hotel
  • Auto statt Flugzeug
  • Wandern statt faul rum liegen
  • Ausland statt Deutschland
  • eher kühl statt warm

Und weil wir von unserem London-Urlaub vor zwei Jahren, immer noch ganz begeistert waren, war der Beschluss ziemlich schnell gefasst, die britische Insel zu besuchen. Da sich die Einreisebestimmungen für Hunde zudem gelockert haben, dachten wir, dass wir das doch mal ausnutzen müssten.

 

Also auf nach DEVON und CORNWALL!!!

So – und wie kommt man jetzt am besten da rüber auf das Eiland? Fliegen geht ja nicht. Schiff wäre natürlich die naheliegendste Möglichkeit, eine Insel zu besuchen. Aber da fängt’s schon an, ein bisschen schwierig zu werden. Eine Überfahrt nach England dauert zwischen 4 und 16 Stunden – je nachdem, welche Häfen man benutzt. Bei direct ferries gibt es eine Übersicht über die Möglichkeiten. Allerding sind die Bestimmungen für Tiere auf einem Schiff nicht gerade locker. Meistens ist es so, dass der Hund im Auto bleiben muss. Das Auto steht im Schiffsrumpf und die Passagiere müssen das Auto verlassen und dürfen während der Überfahrt nicht zum Auto. Das würde mit unserer Prinzessin schon mal gar nicht funktionieren. Und ich hätte keine ruhige Minute an bord gehabt.

Eine gute Alternative ist der Zug. Durch den Eurotunnel von Calais in Frankreich nach Dover/ Folkstone in England in nur 35 Minuten. Alle bleiben im Auto sitzen, niemand muss alleine irgendwo warten. Als Mensch darf man auch aussteigen und zur Toilette gehen, wenn man möchte, aber bei der kurzen Zeit ist das eher unnötig.

Um die Kosten für die Überfahrt überschaubar zu halten, kann man eine feste Zugverbindung buchen. Allerdings muss man die dann auch erreichen. Da wir aber nicht wussten, wie das mit der Fahrt nach Calais und dann noch mit Paula im Auto so werden würde, haben wir uns für eine teurere, aber entspanntere Variante entschieden: Anreise nach Calais an einem Tag, übernachten in Calais und am nächsten Tag morgens mit den Zug rüber (Ticket mit Zugbindung!) und dann zu unserem ersten Ziel in Devon.

Und es würde einem sonst so ein tolles Hotel-Erlebnis entgehen.

Ich würde diese Variante in jedem Fall empfehlen, wenn man zum ersten mal mit dem Zug nach England fährt. Das ist dann eindeutig weniger Stress für Mensch und Tier. Und es würde einem sonst so ein tolles Hotel-Erlebnis wie das Ibis entgehen. 😉 Vielleicht war ich auch nur so überrascht, weil ich eigentlich noch nie in einem französischen Hotel war.

Wenn man mal ehrlich ist, hat das Hotel auch eher den Charme eines Bahnhofs. Schukartongroße Zimmer mit einem eingebauten Plastikbadezimmer. Hat eher was von Schiffskoje als von Hotelzimmer (das Bett schwankt auch wie auf einem Schiff! 🙂 ) Aber! Aber Hunde sind erlaubt, denn das Hotel ist wirklich nur für Zugreisende gedacht – den Hund muss man natürlich bei der Buchung mit angeben. Es gibt WLAN, TV und ein Frühstückbuffet. Der Hund darf nicht mit in den Speiseraum, aber im Vorraum sind auch kleine Tische, an denen man mit dem Vierbeiner sitzen kann und das Frühstück kann man sich dorthin mitnehmen. Qualitativ ist das Frühstück okay und völlig ausreichend, aber nix besonderes.

Das Hotel liegt an einem Kreisel und es gibt an den Ausfahrtsstraßen etliche Grünstreifen, die man für die Hundegeschäfte nutzen kann. Aber Tüten zum Aufräumen nicht vergessen!!! Zum richtigen Spazierengehen ist das weniger schön. Es reicht halt für das Nötigste.

Im Umfeld sind auch die üblichen Fast-Food-Ketten, wenn man im Hotel nichts essen möchte. Unser Abendessen besteht also aus Burgern und Pommes vom gelben M, inkl. Sekt, den wir eingepackt hatten und Wein von der Hotelbar. Das alles gemütlich auf einem echt schmalen Bett (für zwei Personen!) ausgebreitet, TV an, Smartphone parat – der Urlaub hat begonnen!

Okay, geschlafen habe ich in dieser Nacht sehr bescheiden. Das Bett war echt schmal und ich hatte ein bisschen die Zeit im Nacken. Würden wir den Zug pünktlich bekommen? Wie würde das Einchecken und die Gesundheitskontrolle von Paula ablaufen? Würden wir den Maulkorb brauchen?

 

Ja – und da sind wir schon beim großen Thema:

Urlaubsvorbereitung mit Hund.

Andere Länder, andere Sitten. Und somit auch andere Einreisebestimmungen. Bisher gab’s in England eine Quarantänevorschrift für einreisende Tiere. Da hätte der Hund den Urlaub in der Quarantänestation verbracht. Jetzt gibt es nur noch einige Auflagen, die man im Vorfeld erledigt haben muss:

Das muss man vor der Reise machen:
  • Internationaler Heimtierausweis – das ist der blaue Pass für den Hund. Den stellt der Tierarzt aus.
  • Der Hund muss gechipt sein
  • Aktuelle Tollwut-Impfung (allerdings älter als 12 Wochen)
  • Wurmkur, die vom Arzt verabreicht wird und im Pass stehen muss. Die Wurmkur muss zwischen 1-5 tage vor der einreise verabreicht werden!!!

Diese Check-Liste gibt es auch auf der Seite von Le shuttle, dem Zuganbieter vom Eurotunnel, allerdings nur auf Englisch oder Französich. Weiterführende Infos gibt es auf einer Seite vom British Government, aber eben auch nur auf Englisch. Unser Tierarzt war ebenfalls bestens informiert über die Einreisebestimmungen und hat uns gut vorbereitet.

 Diese Informationen beziehen sich übrigens nur auf Hunde und auf Einreisen aus der EU! Es sind meine Recherchen und Erfahrungen, für die ich aber keine Gewähr übernehmen kann. Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels waren sie aktuell (2017). 

Also, die Papiere hatten wir zusammen. Aber wie würde das Einchecken gehen? Für Reisende mit Hund gibt es einen besonderen Check-in, denn der Hund wird ja noch kontrolliert. Würde jemand an Paula rumfummeln? Ihre Zähne angucken, sie abtasten und die Ohren untersuchen? Ich habe mir das ähnlich wie beim Tierarzt vorgestellt. Dazu allerdings eine lange Schlange von Hunden, die auf ihre Abfertigung warten.

Weil ich mir da sehr unsicher war, habe ich im Vorfeld ein Maulkorbtraining mit Paula gemacht.

Wir sind bisher nicht wirklich in Öffis unterwegs gewesen, in denen wir einen Maulkorb gebraucht hätten. Weil ich mir da aber sehr unsicher war, habe ich im Vorfeld ein Maulkorbtraining mit Paula gemacht. Ich habe so ein Kunststoff-Netz-Ding gekauft. Das reicht für die kurze Zeit, die der Hund das tragen muss und wir haben fleissig geübt.

Aber am Ende haben wir das nicht gebraucht, weil das Einchecken voll Easy-peasy ist und niemand am Hund rumfummelt.

Vom Hotel zum Bahnhof bzw. zur Grenzkontrolle braucht man gefühlte 20 Min – obwohl es sich nur um 300m Luftflinie handelt. Das Gelände ist riesig und nach den ersten 3 Kurven hat man eigentlich auch schon die Orientierung verloren. Zum Glück gibt’s nur eine Straße und eine Richtung, in die man fahren kann. Bevor man die Grenze erreicht, zeigen riesen Schilder den Weg zum Pet-check-in. Das kann man nicht verfehlen. Wir sind morgens um 8 Uhr da und es ist entsprechend leer. In einem Häuschen sitzen drei Mädels, die aussehen als ob sie noch zu Schule gehen und ein ziemlich miserables Englisch sprechen. Der Pass wird gecheckt und man bekommt ein Lesegerät in die Hand gedrückt, damit man den Chip an seinem Hund selber auslesen kann. Das find ich sehr gut. Somit ist unsere nervöse Prinzessin nicht weiter in Aufregung als normal.

Ja, das war’s dann auch schon. Pass i.o – Chip i.o. – fertig. Mit einem Zettel für die Windschutzscheibe sitzen wir nach 5 Minuten wieder im Auto. Der Zettel muss von Innen an die Scheibe geklebt werden, damit die Grenzbeamten sehen können, dass Paula ordnungsgemäß durch die Kontrolle gegangen ist. Fast bin ich ein bisschen enttäuscht, dass wir den toll geübten Maulkorb nicht gebraucht haben und alles so schnell ging. 😉

 

Jetzt fehlt noch der Passierschein für das Auto und uns.

Dazu kann man mit seiner Reservierung an einen Schalter fahren und sich den Zettel von einem Mitarbeiter aushändigen lassen oder aber das selbst an einem Self-check-in erledigen. Da gibt man einfach die Reservierungsnummer ein und bekommt dann einen Zettel, den man an den Rückspiegel hängen muss. Da sind dann alle wichtigen Daten drauf – unter anderem die Zugnummer in Form von Buchstaben (a, b, c,….). Die werden später auf großen Anzeigetafeln gezeigt, damit man weiß, wann man zu seinem Zug fahren kann.

Nach dem einchecken dann aber erstmal: Grenze, die erste. Tschüß, Frankreich!

Warum das aber so lange dauert, verstehe ich nicht. Zumindest vor uns schleppt sich die Schlange der Autos durch die Grenzkontrolle, während das bei uns in zwei Minuten abgehakt ist.

Dann: Grenze, die zweite. Hallo, England! (Wobei man technisch gesehen, immer noch auf dem französischen Festland ist.)

Nach viel Rumgekurve landet man auf einem großen Sammelplatz. Ein großer Parkplatz, mit besagten großen Anzeigetafeln für die Züge und einer großen Mall für Kaffee, Futtereien, und sonstige menschliche Bedürfnisse. Für die Hunde gibt es eine eingezäunte Sandkuhle, ehemals Rasenfläche. Reicht vielleicht für einen Dackel, aber für unsere Fellnase ist das Ding denkbar ungeeignet. Wir laufen lieber noch ein bisschen auf den sonstigen Rasenflächen hin und her. Das ist alles wenig romantisch, erfüllt aber den Zweck (und immer schön an die Tütchen denken!)

Und dann steht unser Buchstabe (mit mittlerweile mehr als einer Stunde Verspätung) auf der Tafel mit einem großen „boarding“ dahinter. Jetzt geht’s los!!!

Wir rollen ein einer Autoschlange nochmal kreuz und quer über das Gelände und werden dann in einen großen Autozug gelotst. Wuaaah!

Wer gerne Sifi-Filme guckt, hat jetzt das Gefühl, mitten in so einem Film zu sein.

Wer gerne Sifi-Filme guckt, oder sowas wie die Tribute von Panem, der hat spätestens jetzt das Gefühl, mitten in so einem Film zu sein. Alles ist grau in grau und in den Bahnhöfen stehen riesige Sardinenbüchsen auf Rädern, die die Autos schlucken. Einziger Farbklecks sind die Warnwesten der Lotsen. Ansonsten ist der Bahnsteig menschenleer.

Für eine halbe Stunde stehen wir jetzt in einer Reihe Autos in so einer Sardinenbüchse und jagen unter dem Kanal durch Richtung England.

Es ist ein bisschen klaustrophobisch, aber irgendwie auch cool. Ich meine, über einem ist nur Wasser! Was für eine Vorstellung! Und dann spuckt uns die Sardinenbüchse an der nächsten grauen Haltestelle wieder aus. Einfach so – ohne viel Tamtam. Jetzt heißt es WELCOME TO BRITAIN!!!

Und immer schön links fahren!!!!! 😉

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