wer ist mimmi mittwoch?

ihr alle! jede/r leser/in ist mimmi mittwoch. und in einem brief an sie, kann man alles packen, was mal ohne schischi und fotobearbeitung gesagt werden will. möchte noch jemand an mimmi schreiben? kein problem – sie freut sich über post. da bin ich mir sicher!

IMG_0578.PNG

liebe mimmi,

heute tue ich etwas, was ich bisher hier so öffentlich eigentlich noch nie gemacht habe: stellung nehmen zu einem aktuellen ereignis im öffentlichen geschehen. mein blog beschäftigt sich ja eigentlich mit den schönen und leichten dingen. die ernsten sachen bleiben halbwegs draußen. schon allein deshalb, weil ich jemand bin, der viel mit sich selbst ausmacht. und einfach auch einen platz brauche, über dem keine dunklen wolken schweben.

aber heute erscheint es mir komisch, über was leichtes zu schreiben. und obwohl es so viele unfassbar schlimme dinge jeden tag in den nachrichten gibt, hat mich der absturz von flug 4u9525 irgendwie ganz besonders mitgenommen. das gefühl „das passiert ja nur anderen“ will sich dieses mal nicht einstellen. vielleicht, weil ich selbst beruflich öfter fliegen muss und auch schon viel mit german wings unterwegs war. aber die fluggesellschaft ist ja eigentlich egal. und der flughafen auch. obwohl düsseldorf auch unser hauptflugplatz ist, wenn wir beruflich unterwegs sind.

wenn man in so einem vogel oben über den wolken der sonne entgegen fliegt, sind absturzgedanken und unfallmöglichkeiten irgendwie weit weg. ganz klein, im hinterkopf, piepst da manchmal ein stimmchen, das sagt: wenn das ding hier runter geht, bist du weg vom fenster. aber eine viel lautere stimme ruft dem entgegen: ach komm, du kannst auch morgens aufstehen, ausrutschen und dir den kopf einschlagen – dann bist du genauso weg. wann es einen trifft, weiß man ja (zum glück) nicht. ich glaube an das schicksal. daran, dass jedem menschen hier auf der welt eine gewisse zeit zugestanden wird. ist sie abgelaufen, kann man daran nichts ändern.

allerdings frage ich mich, warum das ausgerechnet für einen ganzen flieger voller menschen zutreffen soll. warum müssen so viele jugendliche dabei sein? warum, zum henker, ist diese maschine so abgestürzt, dass wirklich nichts mehr von ihr übrig bleibt? wird man jemals raus finden, was da wirklich passiert ist?

das finde ich übrigens am schlimmsten, an solchen katastrophen – sich nicht erklären können, wie etwas geschehen ist. das wetter war gut, die maschine angeblich in ordnung, die piloten erfahren. also was dann? und dann geht natürlich auch meine phantasie immer ein bisschen mit mir durch: wie ging es den menschen im flieger? haben sie gemerkt, dass was nicht stimmt? sah man das unglück kommen? am tag von 9/11 gab es noch handymeldungen aus den crash-fliegern. nachrichten, dass die maschinen entführt wurden. und bei diesem flug nix? die maschine soll 8 minuten im sinkflug gewesen sein. das ist doch ganz schön lang, oder nicht? merkt man das nicht als passagier?

in gedanken bin ich aber auch bei den hinterbliebenen, die am flughafen stehen und auf ihre lieben warten. und dann kommt keiner. bei all diesen überlegungen bekomme ich immer wieder eine gänsehaut. und bin andererseits so unendlich dankbar, dass ich bisher von so schrecklichen katastrophen verschont wurde. ich weiß nicht, wie oft ich deswegen schon auf holz geklopft habe.

ich muss bald den nächsten flug nach italien buchen. das pseudo-sicherheitsgefühl, mit dem ich sonst unterwegs bin, hat allerdings einen ziemlichen riss bekommen. aber fliegen werde ich trotzdem. und mein ganzes vertrauen in mein schicksal legen. oder in gott. obwohl ich nicht unbedingt der gläubigste mensch bin. aber vielleicht braucht man in solchen situationen doch einen anker. ich weiß es nicht.

liebe mimmi, wie geht es dir heute? machst du dir ähnliche gedanken? hast du vielleicht sowieso angst vorm fliegen? oder nehmen dich andere ereignisse viel mehr mit?

ich bin gespannt.

herzliche grüße

die frau s.

Share: