briefe an mimmi mittwoch: fußabdrücke und salatherzen

wer ist mimmi mittwoch?

ihr alle! jede/r leser/in ist mimmi mittwoch. und in einem brief an sie, kann man alles packen, was mal ohne schischi und fotobearbeitung gesagt werden will. möchte noch jemand an mimmi schreiben? kein problem – sie freut sich über post. da bin ich mir sicher!

mimmi_mittwoch

liebe mimmi,

manchmal bin ich überfordert.

überfordert von dem, wie man leben könnte, sollte, müsste. ökologisch richtig. öffis und fahrrad statt auto. regionale lebensmittel statt international. vegan statt tierisches aus massentierhaltung. tierversuchsfreie und vegane kosmetik statt silikonshampoo und aluminiumsalzdeo. öko- statt atomstrom.

mein ökologischer fußabdruck ist voll im arsch. wenn man mal ehrlich ist. obwohl ich mich meistens redlich bemühe alles richtig zu machen. aber überwiegend kommt mir die bequemlichkeit dazwischen. oder das „nicht-besser-wissen“. oder das „och nö – nicht das auch noch ändern müssen“. keine ahnung wie ich das beschreiben soll. unterm strich klappt es jedenfalls nicht.

ich fahre eine kurze strecke mit dem auto zur arbeit, weil es da keine busmöglichkeit gibt. mit dem fahrrad kann ich die strecke nicht fahren, weil ich paula dabei habe und wir über eine straße müssen, die ich um’s verrecken nicht mit dem fahrrad fahren würde – es sei denn, ich wäre suizid gefährdet. und dann geht’s auch noch mächtig den berg hoch, d.h. ich wäre total nass geschwitzt im büro.

ich trage gerne lederschuhe und mache mir meistens keine gedanken darüber, wo das leder her kommt. in anderen schuhen kriege ich schweißfüße. bäh.

ich habe das vegane supa-dupa-shampoo wieder abgeschafft, weil meine haare komplett strohig wurden – trotz veganer spülung hinterher. beim kämmen reiße ich mir alle haare aus.

ich gehe wieder mehr im supermarkt als auf dem wochenmarkt einkaufen, weil mir der wochenmarkt zu teuer wurde und der supermarkt immer dann geöffnet hat, wenn ich zeit zum einkaufen habe – der wochenmarkt nicht.

zu hause ist abends viel licht an – und das sind keine energiesparlampen, aber ein dunkles haus finde ich total ungemütlich und wenig entspannend.

ich benutze teilweise das flugzeug wie den bus – ich kann bahn fahren nicht leiden.

aber wir trennen den müll. und beim zähne putzen läuft kein wasser. immerhin.

manchmal habe ich wegen all dem ein total schlechtes gewissen. dann denke ich „oh gott, oh gott, was bist du für ein schlechter mensch, frau s. – wie du mit unserer welt umgehst“. dann versuche ich ökologischer unterwegs zu sein – im rahmen meiner möglichkeiten. kaufe bio-lebensmittel, mache brav das licht aus, wo ich es gerade nicht brauche. kaufe naturkosmetik und frosch-putzmittel (und ärgere mich über das ergebnis beim putzen). am ende werde ich mit all dem aber irgendwie nicht so richtig glücklich.

tja – und dann stehe ich plötzlich in der küche und frage mich, was eigentlich mit dem rest vom salat passiert, damit ich schön abgepackte salatherzen kaufen kann, die ich gerade total lecker finde. zum glück wachsen die aber tatsächlich so. aber im ersten moment hab ich mich total erschrocken. oh nein! da werden salatblätter weggeschmissen, nur damit das schöne innere übrig bleibt! was für eine verschwendung! na, gewundert hätte es mich nicht. das gewissen ist beruhigt – die salatherzen wachsen eben einfach so. gut, sie kommen aus holland, nicht vom bauern nebenan, aber…. (aaaaahhhhhh!!!!)

heute habe ich mal meinen ökologischen fußabdruck berechnen lassen. da gibt’s ein nettes tool vom BUNDjugend. man braucht zwar ein paar minuten, aber alles in allem sind die fragen einfach und schnell zu beantworten. und da war der beweis: frau s. ist eine öko-sau. nämlich so ganz und gar nicht ökologisch. und dabei dachte ich, ich gebe mir doch alle mühe. aber da gibt’s wohl noch einiges an verbesserungspotential.

wie sieht das bei euch aus? ist das überhaupt ein thema bei euch? habt ihr so klein tips und tricks, um eure öko-bilanz zu verbessern? oder seid ihr eher so „nach mir die sinnflut“? fällt es euch auch manchmal schwer, sich an die grünen maßstäbe zu halten?

es grüßt

die frau s.

One thought on “briefe an mimmi mittwoch: fußabdrücke und salatherzen

  1. Und schon wieder sprichst du mir aus der Seele, Ökologie und Alltag sind einfach so schwer vereinbar. Versuch doch nur mal einen einzigen Einkauf ohne Plastik zu erldedigen. Das ist kaum möglich. Aber ich denke, auch jeder noch so kleine Schritt zählt und wichtig ist doch das Bewusstsein für die Problematik und dieses auch an unsere Kinder zu vermitteln. Unserre Tochter sammelt z.B. Bei jedem Strandspaziergsng ganz von sich aus den Müll in einer Plastiktüte und entsorgt ihn anschließend. Das finde ich ganz toll (ich sammle solange Steine und Muscheln…).
    liebe Grüße von einer Gleichgesinnten, Dani

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