jetzt bekommt das kleine reh doch noch einen eigenen post. 
ich hatte ja am freitag kurz berichtet, dass mein morgen sehr seltsam angefangen hat. das schlimmste war das tote reh im garten. es wird wohl nie raus kommen, warum es ausgerechnet in unserem garten verendet ist. es gab offensichtlich keine äußeren einwirkungen. dass es eventuell an einem herzinfarkt gestorben sein könnte, weil es sich vor unserem hund erschrocken hat, hält der förster für unwahrscheinlich. er meinte, die rehe in unserer gegend sind einiges gewöhnt, die würde so schnell nix umhauen. wie dem auch sei, die arme ricke lag letztendlich tot in unserem garten. der förster meinte, sie hätte ein oder zwei kitze irgendwo, die jetzt verhungern würden. na toll! die vorstellung hat mich echt gut durch den tag gebracht. 🙁 aber er hatte schon recht – das gebiet um unser haus ist groß und man weiß eigentlich nicht, wo man anfangen soll zu suchen. ich warf ein, dass ich ab und zu ein reh aus dem benachbarten kornfeld habe raus gucken sehen, aber das interessierte ihn nicht weiter. förster  müssen wohl einen professionellen abstand zu solchen dingen mitbringen, sonst hält man in dem beruf nicht lange durch. also gut. die natur ist manchmal scheiße. und das war ganz große scheiße.
samstagmorgen bin ich dann die übliche hunderunde mit paula gegangen und da mischte sich in das ganze vogelstimmenwirrwar ein komischer ton. ich konnte das nicht deuten und fragte mich, ob so wohl ein kitz klingen würde, wenn es nach der mutter ruft. hatte ich ja noch nie gehört, also wie sortiert man so ein geräusch dann ein? und ganz ehrlich, hier huscht so viel viehzeug durch den wald, das komische töne macht, am ende wär’s nur ein balzender fasan! also erstmal nicht weiter drüber nachgedacht.
gegen mittag war ich wieder in der gegend unterwegs und das komische geräusch war immer noch da. es kam mit ziemlicher sicherheit aus dem kornfeld. beim spazieren gehen traf ich unseren nachbarn und bat ihn, doch mal genau hin zu hören. könnte das ein rufendes kitz sein? er meinte ja und stapfte richtung feld. das rufen war da sehr laut, aber mit zwei hunden im schlepptau war hier gerade nix mit rettung. also die hund nach hause gebracht und während er nochmal zum feld ging, rief ich den förster an, um bescheid zu geben. da meldete der nachbar auch schon: kitz gefunden! gott sein dank! wenn da nur jetzt nicht der förster mit seinem realismus wäre. er könnte das reh nicht aufziehen und kennt auch niemanden, der das macht. es ist wohl extrem aufwändig. der örtliche tierpark konnte uns leider auch nicht helfen. um ehrlich zu sein, in dem moment war mir das fast ein bisschen egal. wenn wir das tier kurz und schmerzlos hätten erlösen können, wäre das auch in ordnung gewesen. wenigstens wäre es dann nicht elendig verhungert oder vom nächsten fuchs gefressen worden. das kleine bambi ist nämlich erst zwei wochen alt!!!
aber die liebste nachbarin wollte sich damit ganz und garnicht zufrieden geben und hat mit hilfe des tierheims tatsächlich eine aufzuchtsstelle gefunden! doppeltes gott sei dank! 🙂 bambi wurde also in eine alte hundetransportbox verfrachtet und von einer tierpflegerin abgeholt. ich hatte sogar ein bisschen den eindruck, dass der förster am ende doch auch erleichtert war, dass er bambi nicht erschießen musste.

bambi in der hundebox. (mit freundlicher genehmigung des lieben nachbarn)
jetzt können wir nur noch hoffen, dass das kleine ding die flasche annimmt und nicht vom ganzen stress total verstört ist. die nachbarin und ich werden uns informieren. wir möchten ja jetzt schon wissen, was aus unserem bambi so wird, nech? 🙂

nachtrag: bambi hat es leider nicht geschafft. es hatte sich eine lungenentzündung zugezogen und musste eingeschläfert werden. ob es die lungenentzündung schon hatte oder sich erst in der nacht alleine draußen zugezogen hat, weiß man aber nicht. schon traurig. trotzdem bin ich froh, dass es friedlich gestorben und nicht draussen verhungert ist.

bezug nehmend auf einen kommentar zu diesem post hier, möchte ich auch noch mal sagen, dass ich ohne die vorgeschichte mit der toten ricke in unserem garten, nie im leben nach dem kitz gesucht hätte. und auch sonst sollte man lieber die finger von wildtierbabys lassen. bei unsicherheit immer lieber zuerst dem förster bescheid geben. den erreicht man notfalls auch über die notrufnummer der feuerwehr – das gilt übrigens auch bei wildschäden. ach, und einfach so hätten wir das kitz auch nicht nehmen dürfen. das ist wilderei. die zuständige försterei ist in jedem fall zu informieren!
 

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